Wirkungsstarke Karten für schnell getaktetes Broadcasting gestalten
Karten haben schon immer Neugier geweckt und Menschen fasziniert – sie sind die unbestrittenen Protagonisten menschlicher Geschichten. Mit dem technologischen Fortschritt wurden die Darstellungen immer komplexer und involvierter und eröffneten neue Möglichkeiten für ihren Einsatz.
Bei Radiotelevisione svizzera (RSI), wo ich als Leiter für Designprojekte arbeite, war es ein Jahr großer infrastruktureller Veränderungen: Neue TV-Studios und die Integration neuer Technologien erforderten ein Redesign der Nachrichtensendungen: Telegiornale (Internationale Nachrichten), Quotidiano (Regionale Nachrichten) und Meteo (Wettervorhersage).
Das zwang uns, auch den Einsatz von Karten und ihre Umsetzung zu überdenken. Welche Erfahrung können wir den Endnutzer:innen garantieren – auf Basis welcher Bedürfnisse und Prinzipien?
Wie passt Mapcreator hier hinein?
Karten für Broadcast zu produzieren unterscheidet sich deutlich davon, sie für Print oder fürs Web zu machen. Im Print lassen sich Karten mit Bildunterschriften, Zusatzinhalten sowie sehr unterschiedlichen Formaten und Stilen anreichern. Im Web dominiert die Interaktivität – Nutzer:innen können mit Daten, Maßstäben und Räumen direkt interagieren.
Broadcasting ist jedoch eine ganz andere Geschichte – wer bestimmte Aspekte unterschätzt, riskiert wirkungsarme Ergebnisse oder gar Flops. Das sind einige Zwänge, die das Medium TV mitbringt:
- Schrift- und Icon-Größen, die je nach Kameradistanz variieren können.
- kurze, straff getaktete Sendezeiten, vom Regisseur vorgegeben und vom Publikum nicht steuerbar;
- eine Sprecherstimme, die den Rhythmus der Story vorgibt und Protagonisten sowie Kontext beschreibt;
- Bühnenbild und Kamerabewegungen, die die Sichtbarkeit der auf den Studio-Screens gezeigten Karten einschränken können;
- Farbabweichungen zwischen der Grafikdatei und dem von den Kameras aufgezeichneten TV-Bild;
- Hausfarben, Stil und Branding der Sendung müssen mit den Kartenstilen und semantischen Farben harmonieren;

Bildquelle: © RSI — Radiotelevisione Svizzera Italiana
Wie stark beeinflussen diese Vorgaben die Nutzererfahrung? Was brauchen die Zuschauer:innen – mit Blick auf den Kontext, in dem wir arbeiten? Meine Aufgabe im Unternehmen ist es, das herauszufinden: Informationen sammle ich über Interviews und Panels mit Endnutzer:innen und sorge dafür, dass die Designprozesse diese Erkenntnisse berücksichtigen.
Die Ergebnisse der User-Research lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Endnutzer lesen nicht. Sie interpretieren und lernen in Sekundenbruchteilen – mithilfe von Allgemeinwissen und erlernten Mustern
„Karten für Broadcast zu produzieren unterscheidet sich deutlich von der Erstellung für Print oder Web.“
Sich auf Veränderungen einstellen
Das ist ein schwer verdauliches Prinzip, denn es macht deutlich, dass sich die Art, wie Fernsehen konsumiert wird, verändert hat: Das Publikum, das dauerhaft vor dem TV sitzt und eine Sendung komplett schaut, ist eine schöne Idealvorstellung – aber nicht die Realität.
Damit Zuschauende Inhalte schnell erfassen und interpretieren können, sollten wir einige Gestaltungsprinzipien berücksichtigen:
- erzähle immer nur eine Geschichte;
- beschränke dich aufs Wesentliche, streiche alles Überflüssige;
- beschreibe die Geschichte nicht, sondern zeige ihre Wirkung;
- reduziere die Anzahl der Icons, vermeide Piktogramme;
- reduziere die Farbanzahl und sorge für klare Kontraste;
- Hintergrund und Vordergrund klar trennen;
- reduziere den Text auf das Nötigste: Die Sprecherstimme übernimmt den Rest;
- reduziere die Anzahl der Objekte auf der Karte auf maximal 5–7 Elemente;
- vermeide Satellitenbilder, sofern nicht zwingend erforderlich;
- Blau ist immer Wasser: Vergiss nicht, dass Farben eine eindeutige Bedeutung haben.
Wichtig ist, zu zeigen, wo die genannten Orte im Verhältnis zum Zuschauer liegen. Welche Route ein entführtes Flugzeug eigentlich hätte fliegen sollen – und welcher Weg tatsächlich geflogen wurde. Oder eine Regenradar-Animation, die Intensität und Entwicklung im Tagesverlauf zeigt.
„Wichtig ist, zu zeigen, wo die genannten Orte im Verhältnis zum Zuschauer liegen.“
In die Zukunft blicken
Ganz konkret stiftet die Karte eine Beziehung zwischen dem Fernsehpublikum und den erzählten Ereignissen – dadurch wird sie persönlich nützlich und bleibt im Gedächtnis.
Aber machen all diese Vorgaben das Design nicht zu flach und vorhersehbar?
Als Designer:innen verstehen wir Archetypen schnell, möchten aber ungern Teil davon sein – viele Einschränkungen scheinen unsere Kreativität zu verarmen. Aus den Interviews mit Nutzer:innen haben wir jedoch gelernt: Das Produkt ästhetisch zu differenzieren ist ein geschäftliches Bedürfnis. Aber Lösungen, die allein auf Originalität setzen und nicht von funktionalen Prinzipien getragen sind, beeindrucken nur – sie helfen nicht. Wer würde sich von einer hübschen, aber unklaren Karte zum Schatz führen lassen?
Wie TV-Karten in Zukunft gestaltet werden, können wir nicht vorhersagen. Wenn wir Endnutzer:innen zuhören und sie kontinuierlich einbinden, lernen wir viel mehr – und lassen uns sinnvoll inspirieren. Kreation und Innovation erfordern kontinuierliche, objektive Recherche: tägliche Vergleiche, Austausch und Messungen. Mit wachsender Erkenntnis entstehen neue Lösungen, und auf noch zu erkundenden Karten zeichnen sich immer wieder neue Wege ab.
„Ganz konkret stiftet die Karte eine Beziehung zwischen dem Fernsehpublikum und den erzählten Ereignissen – dadurch wird sie persönlich nützlich und bleibt im Gedächtnis.“
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