Wirkung kartieren
von Frederik Ruys
Ein kurzer Leitfaden für visuelles Storytelling
Bei der explosionsartigen Menge an Daten und dem unstillbaren Bedarf an Visualisierungen kann es schwierig sein, das beste Tool zu finden, um deine Geschichte zu erzählen. Aber neben dem richtigen Tool kommt es auch auf den richtigen Ansatz an. Wie erzeugst du mit deinen Daten Wirkung in einer Zeit der Informationsüberflutung?
Schöne Bilder, aber keine Geschichte: Das Internet ist voll von künstlerischen, computergenerierten Datenvisualisierungen. Bunte, aber unverständliche Hingucker, basierend auf großen, vielschichtigen Datensätzen von Unternehmen und Institutionen, die auf den Hype um Datentransparenz aufspringen.
Der größte Nachteil dieser schönen Visualisierungen ist, dass die eigentliche Botschaft nicht ankommt.
Natürlich hängt alles vom genauen Zweck des Bildes ab. Wenn es nur für Recherche- oder Untersuchungszwecke gedacht ist, reicht ein Data-Dashboard aus. In allen anderen Fällen aber — wenn dein Ziel ist, dein Publikum zu informieren und/oder zu überzeugen — wird deine Visualisierung Teil einer Geschichte.
Zum Glück ist es gar nicht so schwer, deine Karte vom Data-Dashboard zur visuellen Geschichte weiterzuentwickeln.

1. Daten
Offensichtlich beginnt alles mit dem Sammeln von Daten. Den Datensatz zu ordnen und zu bereinigen, ist ein wichtiger erster Schritt, um den Inhalt zugänglicher zu machen. Aber trotz der sauberen Struktur aus Zeilen und Spalten ist das noch lange keine Information — es sind einfach nur Daten.

2. Information
Information sind Daten im Kontext. In diesem Fall scheint der Datensatz Orte zu enthalten, die durch Breiten- und Längengrade definiert sind. Deshalb ist die Wahl einer Kartenprojektion, auf der du deine Punkte einträgst, ein naheliegender Anfang. Und durch das Hinzufügen einer Legende wird die Visualisierung informativ.

3. Wissen
Um deiner Karte Wissen hinzuzufügen, musst du wissen, wofür diese Orte stehen. Vielleicht ziehst du eine Fachperson hinzu, um die Ereignisse besser zu verstehen und zu entscheiden, welche visuellen Formen — Größe, Form oder Farbe — zur Geschichte passen. Mit Beschriftungen wird deine Visualisierung bereits deutlich ansprechender.

4. Erkenntnis
Ein einzelner Datensatz reicht möglicherweise nicht aus, um echte Erkenntnisse zu liefern. Erst wenn du deine Daten mit zusätzlichen Informationsebenen kombinierst, kannst du Ereignisse aus einer breiteren Perspektive analysieren. Genau hier liegen die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen vieler Dashboards. Leider ist dieser Ansatz für ein breites Publikum oft zu komplex, weil die Nutzer die Daten selbst auswerten müssen.

5. Wirkung
Wenn du dein Publikum besser erreichen willst, musst du klare Entscheidungen treffen. Nicht indem du deine Botschaft vereinfachst, sondern indem du deine Daten klarer machst. Das gelingt mit einem klaren Titel, der die Dringlichkeit ausdrückt, und passenden Annotationen. Und wenn es um eine Animation oder eine Folge von Slides geht, indem du deine Geschichte Schritt für Schritt aufbaust. So hebst du deine Visualisierung vom Dashboard zu einer visuellen Geschichte, die bei deinen Stakeholdern Wirkung entfaltet.
Redaktioneller Ansatz
Wenn du den Unterschied zwischen Dashboarding und visuellem Storytelling kennst, geht es als Nächstes darum, die passende Visualisierung zu finden. In der Redaktion arbeiten wir häufig mit den 6 grundlegenden journalistischen W-Fragen, von denen jede für einen bestimmten Bildtyp steht.

WER ist es?
Menschen oder Organisationen visualisieren — mit Symbolen oder Icons.
WO ist es?
Ortsbezogene Informationen wie geografische Daten auf einer Karte darstellen.
WANN ist es passiert?
Eine Zeitleiste verwenden, um chronologische Informationen darzustellen.
WAS ist es?
Ein Objekt illustrieren, etwa als technische Schnittzeichnung, oft auf Basis qualitativer Informationen.
WIE funktioniert es?
Einen Prozess oder ein Ereignis als Abfolge rekonstruieren — ähnlich wie in einem Comic
strip.
WIE VIEL ist es?
Quantitative Informationen visualisieren, zum Beispiel mit Charts und Diagrammen auf Basis statistischer Daten.
Die meisten Visualisierungen beantworten jedoch mehr als nur eine einzige Frage. Deshalb habe ich an einer Matrix gearbeitet, die das Ergebnis jeder Kombination zeigt.

In diesem Blog konzentrieren wir uns auf die verschiedenen Kartentypen, also auf die Kombinationen mit WO (alle Visualisierungen entlang der grünen Linie). Solche geografischen Visualisierungen können zum Beispiel so aussehen.

WO und WER
Um zu zeigen, wo Menschen leben, trägst du Menschen auf einer Karte ein.

WO und WANN
Wenn dein Datensatz sowohl geografische als auch zeitliche Informationen enthält, kannst du Tracks visualisieren — zum Beispiel um eine Flugroute oder einen Fluchtweg nachzuzeichnen.

WO und WAS
Wenn du das Wo mit dem Was kombinierst, kartierst du Points of Interest — etwa Restaurants, Geldautomaten oder Museen.

WO und WIE
Um sichtbar zu machen, wie Orte miteinander verbunden sind — etwa durch die Verlagerung von Menschen oder verbundene Telefonleitungen — kombinierst du das Wo mit dem Wie.

WO und WIE VIEL
Um Mengen innerhalb eines Verwaltungsgebiets darzustellen, zum Beispiel Wahlergebnisse, erstellst du eine Choroplethenkarte.
Die passende Visualisierung zu finden, ist also keine Raketenwissenschaft. Es geht einfach um die Kombination aus der grundlegenden journalistischen Frage und der Struktur deines Datensatzes. Und solange du einen relevanten Titel und informative Annotationen verwendest, kannst du sicher sein, dass deine Botschaft ankommt.

Aber hast du dich schon einmal gefragt, wie Visualisierungen aussehen können, wenn mehrere Fragen kombiniert werden? Dieses Polyeder zeigt noch mehr Kombinationen.
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