Karten zum Krieg in der Ukraine erstellen
Am 24. Februar begann der russisch-ukrainische Krieg. Ein schrecklicher Konflikt. Seit diesem Tag hat sich der Journalismus verändert. Journalistinnen und Journalisten stehen unter hoher Anspannung, um über alle Entwicklungen des Krieges zu berichten. In der Medienlandschaft wurden Karten noch wichtiger — denn wie viele Menschen wissen eigentlich genau, wo die Ukraine liegt? Und welche großen Städte angegriffen werden?
DataBewijst, ein niederländisches Unternehmen für Datenjournalismus, erstellt mit dem Tool Mapcreator Karten für die Online-Plattform Reuters Connect. Reuters Connect lässt sich als große Datenbank mit Fotos, Videos und weiteren Inhalten beschreiben, die rund um die Uhr im Minutentakt hochgeladen werden. Die mit Mapcreator erstellten Karten werden auf Reuters Connect veröffentlicht, damit Medien sie sofort verwenden können. Vor dem Krieg zeigten diese Karten meist Naturkatastrophen oder große Unglücke. Als Russland die Ukraine am 24. Februar angriff, änderte sich das jedoch. DataBewijst konzentrierte sich von da an auf Karten, die die Lage in der Ukraine zeigen.
Der Beginn des Konflikts
Eine der ersten Karten zeigte die Gaspipeline Nord Stream 2. Dieses Pipelineprojekt ist Milliarden wert und verläuft von Russland durch die Ostsee nach Deutschland. Am ersten Tag der Invasion entschied Deutschland, die Fertigstellung von Nord Stream 2 auf Eis zu legen. Der perfekte Anlass, eine Karte dieser Pipeline zu erstellen. Und das mit Erfolg: Nach vielen Downloads wurde sie in dieser Woche zur meistgeladenen Karte auf Reuters Connect.
Daraufhin erstellte DataBewijst eine Karte, die zeigt, wo Russland in die Ukraine einmarschierte. Diese Grafik veranschaulicht die Lage der Ukraine zusammen mit den Bedrohungen in der Umgebung. Dargestellt sind drei Fronten: eine an der belarussisch-ukrainischen Grenze, eine auf der Krim und eine weitere an der russisch-ukrainischen Grenze.
Vom Kontext zu präziseren Karten
Die ersten Karten dienten vor allem dazu, den Krieg einzuordnen. Nach den ersten Kriegstagen wurde er jedoch zu einem weltweiten Nachrichtenthema. Dadurch entstand Bedarf an präziseren Karten. Ein Beispiel für diesen stärkeren Fokus auf detaillierte Berichterstattung war der Angriff auf das größte Atomkraftwerk Europas.
Je detaillierter die Karten wurden, desto wichtiger wurde auch die Fähigkeit, Nachrichten zu überprüfen: Open Source Intelligence (OSINT) kam zum Einsatz. OSINT bedeutet, öffentlich zugängliche Daten und Online-Informationen auszuwerten. Dieses Know-how wird häufig genutzt, um Nachrichten genauer einzuordnen und echte Meldungen von Falschinformationen zu trennen.
Auch das Team von DataBewijst erstellte mit diesen OSINT-Fähigkeiten mehrere Karten. Eine davon behandelte die Bombardierung des Kinderkrankenhauses. Zunächst war unklar, wo sich das Krankenhaus in Mariupol genau befand. Das Team nutzte mehrere Videos, um den exakten Standort zu ermitteln — also klassisches Fact-Checking. Bild für Bild und mithilfe von Yandex Maps, Google Maps und Google Earth wurde der Ort identifiziert und die Karte erstellt.
Im März bewegte sich ein großer russischer Konvoi auf Kyjiw zu. Dabei handelte es sich um die sogenannte „Invasionstruppe“, die die ukrainische Hauptstadt einnehmen sollte. Das Team von DataBewijst erstellte dazu eine Karte. Um den genauen Standort zu bestimmen, war OSINT nötig, indem Satellitenbilder mit verschiedenen Orten im Raum Kyjiw verglichen wurden.
Das weltweite Bild mit thematischen Karten
Um das weltweite Gesamtbild zu zeigen, kamen thematische Karten zum Einsatz, die stärker herauszoomten. Besonders auffällig waren Karten zu den Sanktionen, die Länder auf der ganzen Welt gegen Russland verhängten. In diese Karten floss viel Recherche ein.
Eine der neueren thematischen Karten drehte sich um Präsident Selenskyj. Die Karte zeigt die Länder, deren Parlamente er angesprochen hat. Selenskyj befindet sich derzeit auf einer digitalen „Weltreise“, um über die dramatische Lage in seinem Land zu sprechen und internationale Unterstützung zu gewinnen.
Der Krieg rückt in den Nachrichten stärker in den Hintergrund
Mehr als 100 Tage — so lange dauert der Krieg in der Ukraine bereits an. Wegen der russischen Verluste hat sich der Schwerpunkt der Kämpfe in die Donbas-Region verlagert. Diese Region war von Beginn an ein Grund für den Angriff auf die Ukraine, wegen der selbst ausgerufenen Unabhängigkeit von Luhansk und Donezk. Der Konflikt hatte außerdem massive Auswirkungen auf die Weltpolitik und machte deutlich, wie wichtig die Europäische Union und die NATO für die Sicherheit sind. Sogar Finnland und Schweden, die während des gesamten Kalten Krieges neutral waren, haben die Mitgliedschaft in der NATO beantragt.
Auch eine EU-Mitgliedschaft wurde durch diesen Krieg zu einem heiß diskutierten Thema, da Ursula von der Leyen darauf drängte, der Ukraine den Status eines EU-Beitrittskandidaten zu geben. Einige Länder stimmen diesem beschleunigten Verfahren jedoch nicht zu, darunter die Niederlande, Deutschland und Frankreich.
Der Konflikt verlagert sich in die Donbas-Region
Der Krieg in der Ukraine hat sich wegen der russischen Verluste in die Donbas-Region verlagert. Eines der Ziele Russlands ist es nun, einen Landkorridor von der Krim nach Russland durch die Donbas-Region zu schaffen. Diese Region liegt im Osten der Ukraine an der Grenze zu Russland. DataBewijst erstellte eine Karte zur Möglichkeit weiterer Scheinreferenden in den Oblasten Saporischschja und Cherson.
Um zu zeigen, wo die Donbas-Region eigentlich liegt, erstellte DataBewijst mit dem Tool Mapcreator die folgende Karte:
Die Orte, an denen die Kämpfe derzeit am heftigsten sind, sind das Asow-Stahlwerk in Mariupol (diese Anlage wurde inzwischen von Russland eingenommen) und Sjewjerodonezk (dort gewinnt Russland langsam an Boden). Für beide Orte erstellte DataBewijst mit dem Tool Mapcreator Karten.
Und:
Diese Zeiten sind für alle herausfordernd, besonders aber für die Ukrainerinnen und Ukrainer. Journalistinnen und Journalisten haben die wichtige Aufgabe, der Welt ein möglichst genaues Bild der Lage in der Ukraine zu vermitteln. Das Erstellen von Karten ist dabei ein wichtiger Teil journalistischer Arbeit, denn diese Karten machen Nachrichten konkret sichtbar. DataBewijst arbeitet seit Beginn des Krieges täglich mit dem Tool Mapcreator, um so viel wie möglich zu visualisieren. Die oben gezeigten Karten sind einige Beispiele für die Karten, die auf Reuters Connect veröffentlicht werden.
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