Die Welt anders sehen: Ein Leitfaden für farbenblindfreundliche Karten

Im heutigen ständigen Informationsfluss konkurrieren Unternehmen um die Aufmerksamkeit jedes einzelnen Betrachters. Viele übersehen dabei jedoch die Zugänglichkeit ihres Designs und schließen damit einen bedeutenden Teil ihres Publikums aus. Sind deine Karten leicht lesbar? Schauen wir uns das in diesem Artikel an und lernen, wie du farbenblindfreundliche Karten erstellst!

Diese Statistik wird dich überraschen

Farbenblindheit betrifft 8 % der Männer und 0,5 % der Frauen. Insgesamt gibt es weltweit etwa 300 Millionen farbenblinde Menschen — das entspricht der Hälfte der Gesamtbevölkerung Europas.

Außerdem verbessern klare Farben die Bildwahrnehmung auch für Menschen mit anderen Sehbeeinträchtigungen (2 Milliarden Menschen, laut WHO). Das wird besonders relevant vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung, da immer mehr Menschen mit Veränderungen ihrer Sehkraft zu tun haben.

Spickzettel zum Thema Farbenblindheit

„Farbenblindheit“ ist eine Sehstörung, bei der die Fähigkeit, Farben zu unterscheiden, eingeschränkt ist oder ganz fehlt. Die Arten der Farbenblindheit lassen sich nach ihrer Häufigkeit ordnen:

1. Grün (Deuteranomalie).
Die häufigste Form der Farbenblindheit.

2. Rot (Protanomalie).  

3. Blau (Tritanomalie). 

3. Monochromasie 
Die Welt nur in Schwarz und Weiß wahrnehmen.

Hinweis: Menschen mit Farbenblindheit haben nicht nur Schwierigkeiten, diese Farben zu erkennen, sondern auch Farbtöne, die sie enthalten. Wenn jemand zum Beispiel Rot nicht wahrnehmen kann, können Blau und Lila gleich wirken, weil Lila einen Rotanteil enthält. 

Bildquelle: Rutgers Information Technology

Keine verbotenen Farben

Oft heißt es, dass man für barrierefreies Design Rot und Grün nicht zusammen verwenden sollte. Ganz so einfach ist es aber nicht. Entscheidend ist nicht die Farbe an sich, sondern der Farbton und wie er mit den anderen Bestandteilen des Designs zusammenspielt. 

Die schlechte Nachricht ist: Wir können dir nicht sagen, welche Farben du vermeiden solltest. Die gute Nachricht ist: Du musst weder deine Lieblingsfarben noch deine Markenfarben ändern — du musst sie nur mit den richtigen Elementen ergänzen. Mit Browser-Erweiterungen kannst du verschiedene Seharten simulieren und dein Design testen. Außerdem kannst du einen der Palette-Generatoren verwenden, zum Beispiel Adobe, um eine barrierefreie Farbpalette zu erstellen.

So machst du deine Karte barrierefrei

Mapcreator bietet dir eine detaillierte Anpassung von Kartenstilen, sodass wir dir helfen können, deine Styles auf viele Arten anzupassen. Die wichtigste Regel lautet: Farbe sollte nie der einzige Hinweis sein. Andere Elemente und Effekte sollten die Objekte auf deiner Karte zusätzlich klar und gut erkennbar machen. Schauen wir uns unten ein paar Beispiele an — alle mit Mapcreator erstellt.

1. Auf ähnliche Formen achten
Karten enthalten im Gegensatz zu Kreisdiagrammen bereits Geometrie als visuellen Hinweis. Straßen und Gebäude mit ähnlichen Farben wirst du zum Beispiel wahrscheinlich nicht verwechseln, weil sie unterschiedliche Formen haben. Gleichzeitig ist es sinnvoll sicherzustellen, dass sich die Farben von Flüssen und Straßen klar unterscheiden, da beides linienförmige Objekte sind. 

Choroplethenkarten verdienen besondere Aufmerksamkeit. Hier ist die Geometrie der Karte selbst nicht in der Lage, die Information an die Leser weiterzugeben. 

2. Kontrast 
Der effektivste Weg, ein Bild gut lesbar zu machen, ist ein stärkerer Kontrast. Betrachte deine Karte mit einem Schwarz-Weiß-Filter und prüfe, ob sich die Farben klar voneinander unterscheiden. Menschen mit eingeschränkter Farbwahrnehmung können dunkle und helle Töne meist gut auseinanderhalten. Um zu zeigen, wie wichtig Kontrast bei Karten ist, findest du unten ein gutes und ein schlechtes Beispiel. In normaler Sicht wirkt die Farbgebung bei beiden Karten zunächst völlig in Ordnung, bei Farbenblindheit wird aber schnell deutlich, wie schwer Straßen oder andere Details zu erkennen sind.

Schlechtes Beispiel in normaler und farbenblinder Sicht:

Gutes Beispiel in normaler und farbenblinder Sicht:

3. Konturen
Wenn du die Farben nicht kontrastreicher anpassen kannst, füge eine Kontur in einer dunkleren oder helleren Farbe hinzu. Zusätzliche Umrandungen bei Texten, Straßen, Gebäuden und anderen Elementen helfen dabei, sie stärker hervorzuheben.

Beispiel ohne Kontur, in normaler und farbenblinder Sicht:

Beispiel mit Kontur, in normaler und farbenblinder Sicht:

3. Texturen und Muster
Eine weitere Möglichkeit, Kartenelemente besser unterscheidbar zu machen, ist der Einsatz von Texturen oder Mustern. In den Beispielen unten siehst du deutlich, wie selbst Farben wie Blau und Grün für farbenblinde Menschen manchmal zu einer einzigen Fläche verschwimmen können. Das Muster hilft hier dabei, Parkflächen klar von Wasserflächen zu unterscheiden.

Beispiel ohne Muster, in normaler und farbenblinder Sicht:

Beispiel mit Muster, in normaler und farbenblinder Sicht:

4. Icons 
Du kannst auch Icons hinzufügen, um die Karte klarer zu machen. Wie du im Beispiel unten siehst, verschwimmen Rot und Grün bei farbenblinder Sicht zu einem einzigen gedämpften Farbton. Ein Pfeil auf der Karte hilft hier, zwei Bereiche hervorzuheben, sodass die Geschichte verständlich bleibt — zum Beispiel, dass Menschen aus diesen Gebieten migrieren.

5. Text
Text kann die Hauptaussage deiner Karte wirkungsvoll hervorheben — aber nur, wenn er gut sichtbar ist. Wenn du keine Textkontur verwenden möchtest, achte darauf, dass Text- und Hintergrundfarbe dem WCAG-Standard entsprechen. Auf dieser Website kannst du prüfen, ob für deinen Text eine helle oder dunkle Farbe besser geeignet ist.

Probier es selbst aus!

Wir hoffen, dieser Artikel inspiriert dich dazu, barrierefreie Karten zu erstellen. Sieh diese Empfehlungen nicht als Einschränkungen, sondern als Chancen, dein Design aus einer neuen Perspektive zu betrachten und dein Publikum besser mitzudenken.

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